Syrien – Kulturland und Kriegsgebiet

Referat Prof. Reinhard Schulze

Syrien – ein zerstörtes Land

Seit Sommer 2012 ist fast ein Drittel der syrischen Bevölkerung aus dem kriegszerstörten Land geflohen. Der Bürgerkrieg hat die Lebensgrundlage von mehr als der Hälfte der syrischen Bevölkerung zerstört. Noch im Frühjahr 2011 hatten grosse Teile der Bevölkerung in friedlichen Demonstrationen ihren Wunsch nach Freiheit, Gerechtigkeit und Demokratie zum Ausdruck gebracht. Doch das Regime reagierte mit massiver Gewalt auf die zivilen Proteste, der über 3'000 Menschen zum Opfer fielen. In vielen Orten gründeten sich daraufhin kommunale Verteidigungskomitees. Die Unnachgiebigkeit des Regimes radikalisierte den Widerstand und setzte den gesellschaftlichen Konsens aufs Spiel. Nutzniesser waren vor allem ultraislamische Kampfbünde, die seit dem Winter 2012/2013 eine Hegemonie über die Widerstandsgruppen zu erringen suchten.

Inzwischen ist das Land in eine Vielzahl lokaler Herrschaften zerfallen. Das Regime kontrolliert nur noch knapp ein Viertel des alten Staatsgebiets. Doch was waren die Gründe für den Zerfall des Staats und der Gesellschaft? Warum haben die ultraislamischen Kampfbünde wie die Nusra-Front oder der «Islamische Staat» ein solches Gewicht bekommen? Welche Rolle spielen die wachsende Konfessionalisierung und Internationalisierung des Konflikts? Und was für eine Zukunft hat ein kriegszerstörtes Land, aus dem bald die Hälfte seiner Bevölkerung geflohen ist?